BEM – Betriebliches Eingliederungsmanagement

Fehlen Mitarbeiter mehr als 30 Tage in 12 Monaten ist BEM seit zwei Jahrzehnten ein hilfreiches Tool.

  • Die Fehlzeit hat Gründe, diese gilt es hier gemeinsam herauszuarbeiten und Lösungen zu entwickeln.
  • BEM ist gut angelegte Intensivzeit – Ein Invest, das sich lohnt
  • Gründe für den Ausfall können neben physischen Themen auch psychische Themen wie Trauer sein. 

Die Juristin Anja Kayser führt mit ihrem Büro seit 10 Jahren als Externe in Unternehmen BEM-Gespräche.

BEM - Interview mit Anja Kayser

Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) kann auch eine Unterstützung in belastenden Lebenssituationen wie Trauer sein.

Anja Kayser, eine erfahrene Juristin im Bereich Personalmanagement, betont die Relevanz des BEM bei der Unterstützung von Mitarbeitern in schwierigen Lebensphasen. Ein Beispiel, das sie anführt, zeigt deutlich, wie ein gut umgesetztes BEM einer Mitarbeiterin, die ihr Kind durch einen Verkehrsunfall verloren hat, geholfen hat. Die Mitarbeiterin hat viele Fehltage, die Schwierigkeiten nehmen zu. Der Arbeitgeber nimmt seine Fürsorgepflicht ernst und setzt ein BEM an. Für dessen Leitung er die externe BEM-Beratung von Anja Kayser beauftragt.

Die Mitarbeiterin berichtet erst später im Rahmen des BEM über ihre private Belastungssituation, was zu Ausfallzeiten geführt hatte. Möglicherweise war ihr dieser Zusammenhang bis zu diesem Moment selbst nicht klar. Die Arbeitgeberseite zeigte Verständnis und initiierte Maßnahmen, um die Mitarbeiterin zu unterstützen. Dies verdeutlicht die Bedeutung von BEM bei der Einbindung privater Belastungssituationen in den Arbeitskontext.

Externe Berater als neutrale Unterstützung:

Anja Kayser hebt die Vorteile externer Berater im BEM-Prozess hervor. Diese werden von Arbeitgebern und Mitarbeitern als neutral angesehen und können Informationen erhalten, die der Mitarbeiter dem Arbeitgeber nicht mitteilen würde. Vor allem für Personalabteilungen, die oft überlastet sind, können externe Fallmanager in BEM-Verfahren Expertise und Unterstützung bieten. Die neutrale Position von externen Beratern schafft Vertrauen und ermöglicht wertschätzende Gespräche, die wichtig sind, um die Mitarbeiter zu unterstützen und zu ermutigen, sich zu öffnen.

Psychische Gesundheit als wichtiger Bestandteil von Betrieblichem Eingliederungsmanagement

Die psychische Gesundheit gewinnt zunehmende Bedeutung am Arbeitsplatz.  Es wird betont, dass psychische Gesundheit oft totgeschwiegen oder verurteilt wird, sowohl auf Seiten der Arbeitgeber als auch der Mitarbeiter. Ein häufiges Motiv dafür ist Angst – auch Angst vor dem unbekannten Terrain. Diese Mentalitäten führen zu einer Scheu, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Jedoch wird darauf hingewiesen, dass diese Auseinandersetzung wichtig ist, um die Vorteile einer Unterstützung der psychischen Gesundheit zu vermitteln. Betroffene Mitarbeiter wollen nicht ausgegrenzt oder gar gekündigt werden, was die Situation nochmal verschärft. Genauso leiden Unternehmen unter Problemen wie hohem Krankenstand, angespannter Vertretungssituation und Mitarbeiterfluktuation, was sie dazu veranlasst, sich intensiver um ihre Mitarbeiter zu kümmern.

Negative Auswirkungen bei mangelnder Beachtung der psychischen Gesundheit

Die Diskussion hebt die negativen Auswirkungen hervor, die mangelnde Beachtung der psychischen Gesundheit mit sich bringen kann. Selbstausbeutung und Burnout können Folgen sein, wenn dem Thema nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die Geduld, die Mitarbeiter brauchen, um sich zu regenerieren, wird als eine große Herausforderung für die Arbeitgeberseite beschrieben. Außerdem kann das Thema psychische Gesundheit geschäftsschädigend sein und beeinflusst sowohl den Ruf des Unternehmens als auch das Verhalten potenzieller Bewerber. Soll ein Mitarbeiter gar krankheitsbedingt gekündigt werden und fehlt dann im Vorfeld der BEM-Prozess, dann ist beim Arbeitsgericht meist schon alles klar, bevor es überhaupt begonnen hat.

Fazit

Die Diskussion verdeutlicht die bereits heute bedeutende Rolle des betrieblichen Eingliederungsmanagements zur Unterstützung von Mitarbeitern in belastenden Lebenssituationen und zum Umgang mit psychischer Gesundheit am Arbeitsplatz. Externe Berater können dabei eine wichtige Rolle spielen, um Fachkenntnis und neutralen Blick von außen bereitzustellen.

Für Unternehmen ist es entscheidend, sich der Bedeutung der psychischen Gesundheit auch gerade im Trauerfall bewusst zu sein und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, um das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter zu unterstützen.

Kontakt zu Anja Kayser www.kayser-personalkonzepte.de

7 Reflexionen

Abschließend empfehle ich jedem Unternehmer und jeder Unternehmerin, das Thema BEM im Blick auf die Psychische Gesundheit und im Besonderen Trauer in den Blick zu nehmen. Außenstehende können sich durch verschiedene Quellen ein Bild davon machen, wie in einem Unternehmen mit den Mitarbeitern umgegangen wird und welche Empfehlungen kursieren. Das Thema psychische Gesundheit kann also geschäftsschädigend sein und beeinflusst sowohl den Ruf des Unternehmens als auch das Verhalten potenzieller Bewerber.

Fragen:

1. Welchen Stellenwert hat das betriebliche Eingliederungsmanagement in Ihrem Unternehmen? Gibt es klare Prozesse und Zuständigkeiten und Ressourcen in diesem Bereich?

2. Wie sensibilisiert ist Ihre Personalabteilung für das Thema psychische Gesundheit insbesondere Trauer?

3. Gibt es gezielte Schulungen und Unterstützungsmaßnahmen für Mitarbeiter und Führungskräfte zu psychischer Gesundheit oder gar zu eigener Trauer?

4. Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit Fällen von Trauer oder psychischen Gesundheitsproblemen im Unternehmen gemacht? Wie wurden diese Fälle gehandhabt? Welche Mitarbeiter könnten aus diesem Grund bereits das Unternehmen (lautlos) verlassen haben?

5. Wie könnte Ihr Unternehmen von einer verstärkten Investition in betriebliches Eingliederungsmanagement und die Auseinandersetzung mit psychischer Gesundheit profitieren?

6. Welche Bedenken und Unsicherheiten gibt es in Ihrem Unternehmen bezüglich dieser Themen?

7. Welche Gewinnmöglichkeiten hätte Ihr Unternehmen, wenn Mitarbeiter in einer psychischen Krise unterstützt würden, leistungsfähiger würden und dauerhaft loyal zur Führungskraft und zum Unternehmen stünden? 

Und es bewahrheitet sich immer: (In der persönlichen Krise) Gehaltene Mitarbeiter sind loyal.

 

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